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Montag, 07. November 2005

Der Tag an dem die Provinz geschlossen wurde

Von davebetz, 09:23

Berlin. Wie die Bundesregierung soeben mitgeteilt hat, wird die Provinz als solche bis auf weiteres geschlossen. Alle Bewohner der Provinz müssen mit Zwangsarbeit und Folter rechnen . . . Eine Meldung wie ein Paukenschlag. Walter wusste zunächst gar nicht was er tun sollte. Irgendwie musste er den Provinzmief von sich abstreifen. Doch das war gar nicht so einfach. In seinem Friesennerz, den gelben Gummistiefeln und den grünen Latzhosen sah er wie ein lebendes Klischee aus. Sein zu diesem Zeitpunkt ungemein ratloser Gesichtsausdruck tat das übrige. Und zu allem Unglück fing es auch noch an zu regnen. Walter legte die Zeitung bei Seite. Langsam erhob er sich von der grünen Couch, die mit massiven Eicheholzlehnen und Füßen ausgestattet war. Dann fiel sein Blick auf den röhrenden Hirsch auf dem Bild über dem Fernseher. Oh je! Er musste sich tarnen und zwar schnell. Er rannte zum Bahnhofsviertel der kleinen Stadt. "Kokain, ich brauche Kokain", dachte er immerfort. Nur so konnte er glaubwürdig einen Stadtmenschen, einen weltoffenen Kosmopolit, kurz diese Art von Spinner die man hier auf dem Land so hasste, verkörpern. Doch zu seinem Entsetzen musste er feststellen, dass im Bahnhofsviertel keine Drogendealer anzutreffen waren. Zumindest nicht mittags um zwölf. "Mist, diese Fernsehkrimis werden auch immer unrealistischer", schimpfte Walter in Gedanken. Er beschloss mit dem Zug in die nächstgrößere Stadt zu fahren. Hamburg war sein Ziel. Am Schalter bestellte er bestimmt und großstädtische eine Fahrkarte. In Hamburg angekommen fuhr er mit der Straßenbahn nach St. Pauli. Dort hatte er mehr Glück. Schon nach wenigen Metern wurde er gefragt "Brauchst du?". Und wie er brauchte, keiner mehr als er. Er musste unbedingt eine Nase voll nehmen, bevor die Regierungsbeamten herausfinden würden, dass er einen alten Dieselbenz fuhr. Ja als koksnäsiger Werbemanager da konnte er dann behaupten, dass sei der neue Style und total Retro. Also schnell her mit dem Zeug. Wieder am Provinzbahnhof und um einiges ärmer angekommen schlich er sich nach Hause. Hoffentlich sah ihn keiner, er hatte ja immer noch sein Postkarten-Outfit an. Daheim kleidete er sich so schrill und unkonventionell wie möglich. Jeans, gelbes Hemd, rotes Sakko und zwei unterschiedlich farbene Socken gaben ihm das Gefühl, nicht mehr ganz so provinziell daher zu kommen. Und wenn die Beamten nach seiner spießigen Wohnumgebung fragen würden, dann würde er einfach sagen, dass er als Creative Head einfach ein dröge Umwelt bräuchte, da ihm ansonsten, auch vom vielen Kokain- ja das würde er besonders betonen- der Kopf platzen würde. Ja, das würden sie schon schlucken, denn so einen Stuss erzählten die Städter betsimmt den ganzen Tag. Es schüttelte ihn. Was, wenn er wirklich so werden würde? Ein dem Geld nachhechelnder Wichser, der Porsche und Kaviar für den einzigen Grund hält zu leben. Er schüttelte sich wieder. Es klingelte. "Sie kommen", entfuhr es ihm. Er nahm eine Prise Kokain und schnupfte sie. Uh wie das kribbelte. "Hoffentlich war das nicht zuviel", dachte er, hatte aber keine Zeit weiter darüber nachzudenken. Als er zur Tür kam stand seine Nachbarin vor ihm. Sie wolte eigentlich nach zwei Tassen Zucker für den Sonntagskuchen fragen, doch Walter machte ihr Angst. Sie ging wieder. Nach einer Stunde begann das Kokain zu wirken. Walter wurde hibbelig und aufgredreht. Plötzlich verschwamm allles..... Als Walter wieder zu sich kam lag er nackt im Hühnerstall. Er wusste es noch nicht, aber er würde in die Geschichte des Dorfes eingehen. Und zwar als der Mann, der am ersten April den schlechten Scherz der Lokalzeitung nicht verstande und im Kokainrausch seine 12 Hühner und einen Hahn zu Tode gepimpert hatte.

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