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Mittwoch, 14. Dezember 2005

Spiel mir kein Lied vom Tod

Von davebetz, 13:24

Es regnete. Müde öffnet die Spaßgesellschaft ihre Augen. Aus! Alles war aus. Die Spaßgesellschaft war am Ende. Träge schleppte sie sich ins Bad und putzte sich die Zähne. Diesmal jedoch nicht wie zu ihren besten Zeiten mit einer roten, geleeartigen Erbeerpaste. Nun da sie am Ende war musste wieder die ganz normale weiße Minzzahncreme genügen. Die Spaßgesellschaft atmete tief aus. Ein resignierendes "Ach ja" entfuhr ihr auf dem Weg zum Frühstückstisch. Pumpernickel mit Salami und sauren Gürkchen standen bereit, der viel zu schwache Kaffe konnte den Kater auch nicht beseitigen. Der Spaßgesellschaft brummte der Kopf, sie war in die Jahre gekommen. Wehmütig dachte sie an ihre Glanzzeiten zurück. Als sie mit Millionen von jungen Leuten im Ecstasy-Rausch Loveparades und Technoparties gefeiert hatte. An die Zeiten, als Wirtschaftsbosse zusammen mit ihr und den Betriebsräten Spitzennutten an Traumstränden konsumierten. Sie dachte zurück an all die schönen Stunden mit Musikern, Filmemachern und Werbemanagern, mit denen sie wild drauf los gekokst hatte, als würde dieser Traum aus Geld, sinnlossem Prassen und Sorglosigkeit nie mehr enden. Als sie täglich beim Anblick des Dax in Verzückung geriet und mit den Stars der New economy St. Tropez unsicher gemacht hatte. Niemanden traf das Ende der Spaßgesellschaft härter als sie selbst. Was sollte sie denn nur machen? Sie hatte doch nichts gelernt. Ihre Eltern, die Nachkriegszeit und die 68er-Generation hatten sie immer wieder ermahnt etwas zu lernen. "Dann hast du was in der Tasche", hatte die Nachkriegszeit immer wieder zu ihr gesagt. "Und danach kannst du dich immer noch selbst verwirklichen. Mit Bildung stehen dir alle Türen offen", hatte sie die 68er-Generation immer wieder ermutigt. Doch die Spaßgesellschaft hatte beide ignoriert. Was wussten die denn schon, hatte sie sich gedacht. Danach verschwand sie meist in Großraumclubs und schlürfte Wodka-Redbull. Manchmal bekamen sie ihre Eltern wochenlang nicht zu sehen. Irgendwann war sie ihren Kinderschuhen entwachsen und bezog eine Penthouse-Wohnung in Berlin. Sie konnte sich gar nicht genug ergötzen an ihrem flachen LCD-Riesenfernseher, der Bang und Oluffsen-Dolby-Surround-THX-Stereoanlage und an ihrem ersten Benz. Wie lächerlich erschienen ihr die Eltern, die mit dem Reihenhäuschen, dem ganz normalen Grundigfernseher, dem alten Plattenspieler und dem Ford Escort zufrieden waren. Und die wollten ihr sagen wo es lang ging? Pah. Doch an diesem Morgen wurde der Spaßgesellschaft klar, dass sie ausgespielt hatte. Sie wollte an diesem Morgen einen Termin beim Arbeitsamt wahr nehmen. Dort hatte sie sich zu einer Umschulungsmaßnahme angemeldet. In den kommenden Wochen würde sie von der Spaßgesellschaft zur neuen Bescheidenheit ausgebildet. Hätte sie doch nur etwas anständiges gelernt...


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