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Mittwoch, 21. Dezember 2005

Dinner bei Buddha

Von davebetz, 10:39

Der liebe Gott ließ sich erschöpft auf einen Sessel neben der Damenumkleide fallen. Seit Stunden war er bereits mit seiner Frau unterwegs. An die 14 Geschäfte hatten sie bereits abgeklappert. Und nun saß er bei Peek und Cloppenburg in der Abteilung für Damen-Hosenanzüge und seine Frau konnte sich nicht zwischen 4 ,für den lieben Gott identisch aussehenden, schwarzen Modellen mit feinen Bronzefarbenen Nadelstreifen entscheiden. Warum tat er sich das an? Er, der er in sieben Tagen Kontinente geschaffen hatte. Er müsste nur mit den Fingern schnipsen und schon hätte seine Frau die schönsten Kleider, die es überhaupt gibt am Leibe. Aber nein, sagte sie, dann würde sie die Kleider ja nicht zu schätzen wissen. Er hatte nach gegeben, war er doch ein gütiger und milder Herrgott. Trotzdem brodelte es in ihm. Er hasste einkaufen. Überhaupt fand er, dass ein Sessel in der Damenumkleide nicht der richtige Ort für ihn war. Er hatte noch soviel zu tun. Viel lieber hätte er ein, zwei Wunder vollbracht oder irgendeine Holzstatue von Maria weinen lassen. Oder wenigstens einen Wirbelsturm auf den Weg geschickt, damit die Menschen wieder an seiner Existenz und Güte zweifeln konnten. Aber hier rumsitzen und alle paar Minuten "oh das steht dir gut" sagen, dass wollte er definitiv nicht. "Hör endlich auf zu murren", rief seine Frau aus der Kabine. "Du weißt genau, dass ich für das Essen mit Buddhas was zum anziehen brauche". Jaja, dachte Gott und gab Ruhe. Dabei hatte er auch auf das Essen mit Buddha und seiner Frau keine Lust. Da gab es bestimmt wieder Tofuburger und grünen Tee. Buuaääh! Und der kleine fette Glatzkopf würde wieder dumm grinsen und versuchen alles Leid dieser Welt zu ertragen. Pfui! Da lobte er sich doch sein wöchentliches Treffen mit dem Satan. Der verstand wenigstens was von Parties. Da wurde immer gegrillt und der Alkohol floss in Strömen. Und bevor Gott geheiratet hatte, griff er auf Satans Parties auch gerne auf die dort zur Verfügung stehenden Frauen zurück. Und als er sich an all diese wilden Abende erinnerte, hatte er noch weniger Lust mit Buddha zu dinieren. Buuaääh! Dachte er. Da wird ja das Essen welk, wenn man sich nicht beeilt. Da hätte er viel lieber mit Vishnu und der indischen Götterbande gefeiert. Dort saß er oft mit den Gottheiten zusammen und sie rauchten dicke Joinst, hörten die Beatles, Bob Dylan und die Rolling Stones. Es gab dort sehr leckere Curry-Gerichte und seine Frau verstand sich auch prächtig mit Frau Vishnu. Vishnu hatte ihm mal erzählt, dass er Buddhas Fraß auch nicht mochte. Reis mit Algenratatui... Buaääh! Aber am allerliebsten speiste Gott mit Jawe, dem jüdischen Gott und Allah. Oft lachten sich die drei richtiggehend schlapp darüber was der Papst erzählte. Besonders wenn er mal wieder etwas von "Gottes Vertreter auf Erden" sagt, war die Stimmung am besten. Auch verstanden die drei nicht so recht, warum sich die Menschen in ihrer drei Namen bekriegten. Sie hatten doch gar keine Streit miteinander. Noch nicht einmal im Fußball waren sie uneins. Alle drei hatten sie eine Dauerkarte von Armina Bielefeld. Gott freute sich schon auf das nächste Heimspiel, denn diesmal war Allah dran mit Bier holen und Würstchen kaufen, da würde er keine Szene des Spiels verpassen. Beim letzten Mal hatte er Versorgungsdienst und das entscheidende 2:1 verpasst. Im Kopf ging er schon mal die Fangesänge durch und freute sich. Aber mit Buddha essen... darauf hatte der liebe Gott keine Lust. Absolut nicht. Da roch es auch immer so aufdringlich nach Räucherstäbchen. Seine Frau war schon wieder in der Kabine verschwunden. Der Herr langweilte sich. Also schuf er einen kleinen Kometen, der nahe an der Erde vorbeiflog und ließ ihn von ein paar Forschern entdecken. Morgen würde er sich die Bild-Zeitung am Kiosk kaufen und nachsehen ob die wieder den Weltuntergang prophezeien würde. An den Kiosk ging er gern. "Zum runden Eck" hieß der Kiosk von Klaus. Klaus kannte den Herrn schon seit Jahren, doch er behandelte ihn auch nicht anders als die anderen Kunden. Er war deshalb der einzige Sterbliche, der den lieben Gott duzen durfte. Dort kaufte er morgens die Bild-Zeitung und trank mit Klaus eine Flasche Bier. Der Klaus hatte sie immer bereit stehen und fragte jeden morgen "Solln wa ne Runde Weihwasser trinken?" und das taten sie dann auch. Ja der Klaus war ein feiner Kerl. Ihn hatte er auch schon zu den Gelagen bei Satan mitgenommen. Und auch Vishnu hatte er Klaus schon vorgestellt. "Ich brauche noch Schuhe. Weißt du wo es hier Schuhe gibt?" riss Frau Gott ihren Göttergatten aus den Gedanken. Natürlich wusste er das, schließlich war er allwissend. "Ja zwei Etagen höher", rief er ihr kleinlaut zu. Dieser Tag wollte niemals enden. Und dann noch Buddhas Tofugericht. Buaääh.... (Fortsetzung folgt)

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