Mittwoch, 21. Dezember 2005

Warum Tauben niemals irren. . .

Von davebetz, 10:41

Gernot hatte es satt. Zum wiederholten Male hatte er eine große Plastik im Auftrag der Provinzstadt in der er lebte entworfen. Und nun das! Kaum war die feierlich Übergabe zwei Wochen her, hatten die Tauben das Monstrum aus rostfreiem Stahl schon zugeschissen. Tauben irrten nie! Irgendwo hatten sie sogar recht. Denn genauer betrachtet war der Stahlkoloss kein Kunstwerk, sondern einfach nur hässlich. So hässlich, dass es gerade gut genug war, um den Tauben als Abladeplatz für ihre Verdauungsprodukte zu dienen. Gernot sah das natürlich nicht so und machte sich gerade daran, an seinem freien Samstag die Exkremente von dem Mahnmal zu kratzen. Hatten diese blöden Tauben denn gar kein Kustverständnis? Wahrscheinlich hatten sie mehr davon als Gernot ahnte. Denn keine 200 Meter entfernt stand eine Wunderschöne aus Stein gehauene Statue, die eine griechische Göttin zeigte. Seit über 200 Jahren stand sie in der kleinen Stadt und hatte noch nie auch nur einen Krümel Taubenkot abbekommen. Nur einmal hatte ein kurzsichtiger Schmutzfink darauf geschissen, was er aber sehr bereute. Gernot war so gut wie fertig mit seiner Arbeit. Ein letztes mal polierte er die Stahloberfläche des Bogens, schon glänzte das Monstrum wieder wie gewohnt. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel. Hunderte von Tauben stießen zu dem Kunstwerk herunter und luden alles ab, was an Kot in ihren kleinen Taubenkörpern zu finden war. Sie schissen das Ding von oben bis unten zu. Einige der Tauben steckten sich noch im Flug einen Flügel in den Schnabel und steuerten Erbrochenes bei, um ihrer eindeutigen Meinung Gehör zu verleihen. Gernot kapitulierte. Er warf Lappen und Scheuermilch in die Ecke und während er wütend mit seinem Auto davon fuhr murmelte er immer wieder "Verdammte Scheiße".

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Dinner bei Buddha

Von davebetz, 10:39

Der liebe Gott ließ sich erschöpft auf einen Sessel neben der Damenumkleide fallen. Seit Stunden war er bereits mit seiner Frau unterwegs. An die 14 Geschäfte hatten sie bereits abgeklappert. Und nun saß er bei Peek und Cloppenburg in der Abteilung für Damen-Hosenanzüge und seine Frau konnte sich nicht zwischen 4 ,für den lieben Gott identisch aussehenden, schwarzen Modellen mit feinen Bronzefarbenen Nadelstreifen entscheiden. Warum tat er sich das an? Er, der er in sieben Tagen Kontinente geschaffen hatte. Er müsste nur mit den Fingern schnipsen und schon hätte seine Frau die schönsten Kleider, die es überhaupt gibt am Leibe. Aber nein, sagte sie, dann würde sie die Kleider ja nicht zu schätzen wissen. Er hatte nach gegeben, war er doch ein gütiger und milder Herrgott. Trotzdem brodelte es in ihm. Er hasste einkaufen. Überhaupt fand er, dass ein Sessel in der Damenumkleide nicht der richtige Ort für ihn war. Er hatte noch soviel zu tun. Viel lieber hätte er ein, zwei Wunder vollbracht oder irgendeine Holzstatue von Maria weinen lassen. Oder wenigstens einen Wirbelsturm auf den Weg geschickt, damit die Menschen wieder an seiner Existenz und Güte zweifeln konnten. Aber hier rumsitzen und alle paar Minuten "oh das steht dir gut" sagen, dass wollte er definitiv nicht. "Hör endlich auf zu murren", rief seine Frau aus der Kabine. "Du weißt genau, dass ich für das Essen mit Buddhas was zum anziehen brauche". Jaja, dachte Gott und gab Ruhe. Dabei hatte er auch auf das Essen mit Buddha und seiner Frau keine Lust. Da gab es bestimmt wieder Tofuburger und grünen Tee. Buuaääh! Und der kleine fette Glatzkopf würde wieder dumm grinsen und versuchen alles Leid dieser Welt zu ertragen. Pfui! Da lobte er sich doch sein wöchentliches Treffen mit dem Satan. Der verstand wenigstens was von Parties. Da wurde immer gegrillt und der Alkohol floss in Strömen. Und bevor Gott geheiratet hatte, griff er auf Satans Parties auch gerne auf die dort zur Verfügung stehenden Frauen zurück. Und als er sich an all diese wilden Abende erinnerte, hatte er noch weniger Lust mit Buddha zu dinieren. Buuaääh! Dachte er. Da wird ja das Essen welk, wenn man sich nicht beeilt. Da hätte er viel lieber mit Vishnu und der indischen Götterbande gefeiert. Dort saß er oft mit den Gottheiten zusammen und sie rauchten dicke Joinst, hörten die Beatles, Bob Dylan und die Rolling Stones. Es gab dort sehr leckere Curry-Gerichte und seine Frau verstand sich auch prächtig mit Frau Vishnu. Vishnu hatte ihm mal erzählt, dass er Buddhas Fraß auch nicht mochte. Reis mit Algenratatui... Buaääh! Aber am allerliebsten speiste Gott mit Jawe, dem jüdischen Gott und Allah. Oft lachten sich die drei richtiggehend schlapp darüber was der Papst erzählte. Besonders wenn er mal wieder etwas von "Gottes Vertreter auf Erden" sagt, war die Stimmung am besten. Auch verstanden die drei nicht so recht, warum sich die Menschen in ihrer drei Namen bekriegten. Sie hatten doch gar keine Streit miteinander. Noch nicht einmal im Fußball waren sie uneins. Alle drei hatten sie eine Dauerkarte von Armina Bielefeld. Gott freute sich schon auf das nächste Heimspiel, denn diesmal war Allah dran mit Bier holen und Würstchen kaufen, da würde er keine Szene des Spiels verpassen. Beim letzten Mal hatte er Versorgungsdienst und das entscheidende 2:1 verpasst. Im Kopf ging er schon mal die Fangesänge durch und freute sich. Aber mit Buddha essen... darauf hatte der liebe Gott keine Lust. Absolut nicht. Da roch es auch immer so aufdringlich nach Räucherstäbchen. Seine Frau war schon wieder in der Kabine verschwunden. Der Herr langweilte sich. Also schuf er einen kleinen Kometen, der nahe an der Erde vorbeiflog und ließ ihn von ein paar Forschern entdecken. Morgen würde er sich die Bild-Zeitung am Kiosk kaufen und nachsehen ob die wieder den Weltuntergang prophezeien würde. An den Kiosk ging er gern. "Zum runden Eck" hieß der Kiosk von Klaus. Klaus kannte den Herrn schon seit Jahren, doch er behandelte ihn auch nicht anders als die anderen Kunden. Er war deshalb der einzige Sterbliche, der den lieben Gott duzen durfte. Dort kaufte er morgens die Bild-Zeitung und trank mit Klaus eine Flasche Bier. Der Klaus hatte sie immer bereit stehen und fragte jeden morgen "Solln wa ne Runde Weihwasser trinken?" und das taten sie dann auch. Ja der Klaus war ein feiner Kerl. Ihn hatte er auch schon zu den Gelagen bei Satan mitgenommen. Und auch Vishnu hatte er Klaus schon vorgestellt. "Ich brauche noch Schuhe. Weißt du wo es hier Schuhe gibt?" riss Frau Gott ihren Göttergatten aus den Gedanken. Natürlich wusste er das, schließlich war er allwissend. "Ja zwei Etagen höher", rief er ihr kleinlaut zu. Dieser Tag wollte niemals enden. Und dann noch Buddhas Tofugericht. Buaääh.... (Fortsetzung folgt)

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Mittwoch, 14. Dezember 2005

Spiel mir kein Lied vom Tod

Von davebetz, 13:24

Es regnete. Müde öffnet die Spaßgesellschaft ihre Augen. Aus! Alles war aus. Die Spaßgesellschaft war am Ende. Träge schleppte sie sich ins Bad und putzte sich die Zähne. Diesmal jedoch nicht wie zu ihren besten Zeiten mit einer roten, geleeartigen Erbeerpaste. Nun da sie am Ende war musste wieder die ganz normale weiße Minzzahncreme genügen. Die Spaßgesellschaft atmete tief aus. Ein resignierendes "Ach ja" entfuhr ihr auf dem Weg zum Frühstückstisch. Pumpernickel mit Salami und sauren Gürkchen standen bereit, der viel zu schwache Kaffe konnte den Kater auch nicht beseitigen. Der Spaßgesellschaft brummte der Kopf, sie war in die Jahre gekommen. Wehmütig dachte sie an ihre Glanzzeiten zurück. Als sie mit Millionen von jungen Leuten im Ecstasy-Rausch Loveparades und Technoparties gefeiert hatte. An die Zeiten, als Wirtschaftsbosse zusammen mit ihr und den Betriebsräten Spitzennutten an Traumstränden konsumierten. Sie dachte zurück an all die schönen Stunden mit Musikern, Filmemachern und Werbemanagern, mit denen sie wild drauf los gekokst hatte, als würde dieser Traum aus Geld, sinnlossem Prassen und Sorglosigkeit nie mehr enden. Als sie täglich beim Anblick des Dax in Verzückung geriet und mit den Stars der New economy St. Tropez unsicher gemacht hatte. Niemanden traf das Ende der Spaßgesellschaft härter als sie selbst. Was sollte sie denn nur machen? Sie hatte doch nichts gelernt. Ihre Eltern, die Nachkriegszeit und die 68er-Generation hatten sie immer wieder ermahnt etwas zu lernen. "Dann hast du was in der Tasche", hatte die Nachkriegszeit immer wieder zu ihr gesagt. "Und danach kannst du dich immer noch selbst verwirklichen. Mit Bildung stehen dir alle Türen offen", hatte sie die 68er-Generation immer wieder ermutigt. Doch die Spaßgesellschaft hatte beide ignoriert. Was wussten die denn schon, hatte sie sich gedacht. Danach verschwand sie meist in Großraumclubs und schlürfte Wodka-Redbull. Manchmal bekamen sie ihre Eltern wochenlang nicht zu sehen. Irgendwann war sie ihren Kinderschuhen entwachsen und bezog eine Penthouse-Wohnung in Berlin. Sie konnte sich gar nicht genug ergötzen an ihrem flachen LCD-Riesenfernseher, der Bang und Oluffsen-Dolby-Surround-THX-Stereoanlage und an ihrem ersten Benz. Wie lächerlich erschienen ihr die Eltern, die mit dem Reihenhäuschen, dem ganz normalen Grundigfernseher, dem alten Plattenspieler und dem Ford Escort zufrieden waren. Und die wollten ihr sagen wo es lang ging? Pah. Doch an diesem Morgen wurde der Spaßgesellschaft klar, dass sie ausgespielt hatte. Sie wollte an diesem Morgen einen Termin beim Arbeitsamt wahr nehmen. Dort hatte sie sich zu einer Umschulungsmaßnahme angemeldet. In den kommenden Wochen würde sie von der Spaßgesellschaft zur neuen Bescheidenheit ausgebildet. Hätte sie doch nur etwas anständiges gelernt...


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